Ausbrüche

Sicher kann ein Pferd ab und an ungünstig auf einen Stein, eine Metallkante oder etwas anderes treten, und so den Tragrand beschädigen, bzw. sich einen Span von der Hufwand abschälen. Davon soll hier nicht die Rede sein. Hier geht es um Hufe, die permanent einen ausgebrochenen Tragrand haben. Genau wie bei der Entstehung von Hornspalten müssen mehrere Faktoren zusammenkommen, damit ein Huf am Tragrand ausbricht. Wir werden im Folgenden sehen, dass mit Berunden und kosmetischer Pflege der Hornwand (Wässern, Ölen, Fetten und dergleichen) den Ausbrüchen nicht beizukommen ist. Trockenes oder sprödes Horn begünstigt Tragrandausbrüche vielleicht, aber es ist keineswegs die alleinige Ursache.

Hufwandzerreißungen

Betrachten wir uns einmal den Tragrand dieses Hufes. Ringsum zeigt er Zusammenhangstrennungen und Zerreißungen, die sich deutlich schwarz gefärbt von der unpigmentierten Hornwand abheben. Schwarz deshalb, weil es in den Ritzen fault. Die Fäulnis ist aber nicht die Ursache für die Zerreißungen, sondern eine Folge. Ursache sind Hufform und Stellung. Es handelt sich um einen steilen, steilwandigen Huf. Hier treten starke Scherkräfte auf, die die Hornwand im unteren Teil reißen lassen. Es ist wohl nicht verwunderlich, dass bei einem solchen Zustand des Tragrandes diese schon vom Hornwandverbund separierte Teile schneller abbrechen oder ausbrechen, als wenn die Hufwand fest und geschlossen bis zum Boden reicht.

Ausgebrochener Tragrand von der Seite

Hier nun ein typisches Beispiel. Ein ganz normaler, zunächst unauffällig erscheinender Huf, der Ausbrüche im Tragrand zeigt. Dem geübten Auge entgeht nicht, dass er untergeschobene Trachten hat, nur unmerklich und leicht, nicht dramatisch, dennoch schieben sie unter.

Sohlenansicht ausgebrochenen Hufes

Die Sohlenansicht offenbart den Zustand des Hufes. Der Tragrand ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Blättchenschicht ist stark verbreitert, der unpigmentierte Anteil der Hornwand ist völlig zermürbt. Es steht noch ein schmaler schlanker Grat des Tragrandes, der bis zum Boden reicht. Die Zerstörung des Tragrandes verdankt der Huf den Spannungen seiner ungünstigen Belastungssituation.

Detail eines ausgebrochenen Tragrandes

Die Detailansicht macht es deutlich. Der Tragrand ist faktisch nicht mehr da. Ein Hauch von Hornröhrchen erreicht noch den Boden. Aber Last tragen kann er nicht mehr.

 Detail eines ausgebrochenen Tragrandes

Ein weiteres Beispiel. Der Tragrand ist schwarz und zerrissen. Diese Risse sind schon mehrere Millimeter tief . Reibt sich der Huf ab, blättern sie einfach ab, als seien es sich lösende Schuppen.

 Detail eines ausgebrochenen Tragrandes

An diesem viel zu flachwandigen Huf sind Ausbrüche über weite Teile der Zehenwand zu sehen.

 Detail eines ausgebrochenen Tragrandes

Die Sohlenansicht verrät warum. Rund wie ein Unterteller und mit einer ringsum auf etwa 8mm Breite gedehnten Blättchenschicht. Der pigmentierte Anteil der Hufwand ist komplett weggebröckelt. Die Hufwand ändert von außen nach innen nicht nur den Pigmentanteil, sondern auch Anzahl und Dicke der Hornröhrchen und auch die Elastizität. Das ist der Grund, warum manchmal der Eindruck entsteht, als bestehe die Hufwand aus Schichten, die sich voneinander lösen. Ist der Hufbeinträger gedehnt, hält er die Hufwand nicht mehr fest, und so kann sich der untere Teil der Hufwand beim Fußen stärker verformen, und es entstehen diese Risse weil das Kitthorn nicht elastisch genug ist, um die Hornröhrchen der Hufwand im Verbund zu halten.

Dies Risse und Zerreißungen des Tragrandes haben ihre Ursache in einer Überlastung der Hornwand. Damit ist nicht ein zu großes Gewicht auf dem Huf gemeint, sondern der Hufwand wird in den betroffenen Bereichen mehr an dynamischer Bewegung zugemutet, als ihre Elastizität verkraftet.