Begriffsklärungen - Fachbegriffe der sichtbaren Teile des Hufes

Hier soll nur ein wenig Vokabular erklärt werden. Immer wieder kommt es zu Unstimmigkeiten, wenn man sich über Hufe genauer unterhält.

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Solange der Huf auf dem Boden steht, gibt es nicht viele Begriffe zu klären. Das Horn, welches zu sehen ist, wird als Hufwand oder Hornwand bezeichnet. Es entsteht im Kronsaum, das ist der Übergang von Fell zu Horn. Außerdem ist die Hornwand in der Nähe des Kronsaums von weichem Saumhorn bedeckt, welches mit der Haut in unserem Nagelbett vergleichbar ist. Weil aber ein Pferd sich diese Haut nicht zurück schieben kann, wächst das Saumhorn einfach mit. Nach einigen Zentimetern wird es nicht mehr durchfeuchtet, trocknet ein und blättert ab. Wenn die Hornwand durch kleinste Risse zu rau ist, kann es auch sein, dass es als ausgefranster Belag fast bis zum Boden mitgenommen wird, das ist nicht schlimm, bedenklich ist die Ursache, nämlich dass der Huf zu rau ist.
Ich habe diesen Huf ein wenig bunt gemalt. Es gibt nämlich an der Hufwand doch noch etwas zu unterscheiden. Es hat sich eingebürgert, die Hufwand in Zehenwand (blau), innere bzw. äußere (mediale bzw. laterale) Seitenwand (rot) und Trachte (grün) zu unterscheiden. Allerdings gibt es keine klare Grenze, wo die Zehenwand aufhört und die Seitenwand anfängt. Ebenso geht die Seitenwand irgendwo in die Trachte über. Diese Begriffe dienen einfach der Lagebeschreibung. Wenn ich jemandem sage "Das Pferd hatte ein Hufgeschwür im hinteren inneren Seitenwandbereich", dann weiß der in etwa wo das ist.

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Von unten gibt es mehr zu sehen. Das Saumhorn, was den oberen Bereich der Hufwand bedeckt, geht hinten in die Ballen (1) über. Die Ballen gehen ihrerseits in die Strahlschenkel (2) über, wiederum kann man das hier nicht exakt abgrenzen. Die Strahlschenkel vereinigen sich in der Strahlspitze (3). Diese drei weichen Hornstrukturen bestehen im wesentlichen aus derselben Sorte weichen Hornes, was sich bei Feuchtigkeit anfühlt wie ein weicher Radiergummi, und sich exakt so gut schneiden lässt. Wenn es trocken ist, wird es oberflächlich sehr hart.

Die Unterseite oder Unterkante der Hufwand und nur der Hufwand heißt Tragrand (4). Rechts und links des Strahles sind die Eckstreben (5), sie sind Bestandteil der Hufwand, die an der Trachtenendkante (6) scharf abknickt. Zwischen Eckstreben und Strahl liegen die Strahlfurchen.
Der Rest der Unterseite des Hufes ist von der Sohle (7) oder dem Sohlenhorn ausgefüllt, die im wesentlichen die Unterseite des Hufbeines, des Knochens im Huf, abbildet. Bei diesem Huf sehen wir, dass im Zehenbereich (jeder weiß jetzt sofort wo das ist!!) die Sohle Spuren von Abrieb vom Laufen zeigt (8). Dieser abgeschliffene Sohlenbereich hinter der Zehe wird manchmal auch als Mondsichel bezeichnet. Es kommt vor, dass der Tragrand zu kurz ist, oder ausgebrochen ist, so dass der äußere Rand der Sohle ebenfalls zum Tragen herangezogen wird.
Zwischen Sohle und Tragrand liegt die Blättchenschicht (9). Mir ist der Begriff Blättchenschicht am liebsten. Allerdings ist es die zona alba, die weiße Zone. Der weitgehend übliche Begriff "weiße Linie" ist falsch. Es gibt sie, die weiße Linie, die linea alba, aber das worein sich so gerne Steinchen setzen, und worein der Schmied seine Nägel treibt, ist die weiße Zone oder eben Blättchenschicht. Die Blättchenschicht verbindet als absolut geniale Erfindung der Natur die junge Hornsohle mit der, im Trachtenbereich zwischen wenigen Monaten alten und im Zehenbereich über ein Jahr alten, Hufwand. Die Hufwand entsteht im Kronsaum, bis das Horn der Zehenwandwand am Tragrand angekommen ist, ist es an der Zehe über ein Jahr alt.

Zwei Anmerkungen möchte ich noch machen:
1. Einige Leute sprechen auch immer mal wieder von einer "mittleren Strahlfurche" die zwischen den Strahlschenkeln bzw. Ballen liegt. Diese ist aber eigentlich nicht vorgesehen. Das unter dem Strahlhorn liegende Stahlpolster hat dort zwar eine Falte, aber die ist idealerweise von festem Stahlhorn ausgefüllt. Wenn der Strahl jedoch fault, sollte die Fäulnis herausgeschnitten werden, und so wird halt eine mittlere Strahlfurche freigeschnitten. Gegen Fäulnis oder Pilzbefall ist das gut, weil man die Stellen sauber halten kann, aber für den Huf ist das schlecht. Der Strahl strebt den Boden an. Der Strahl soll und will Gewicht tragen, er lässt das Pferd den Untergrund fühlen, gibt Reize und Wachstumsimpulse an den Organismus wieder, meldet, dass der Huf zu kurz ist um das Hornwachstum anzuregen. Wird der Strahl zu kurz geschnitten, wird er vieler seiner Aufgaben beraubt. Einen kräftigen Strahl kürzt man nicht. Wenn ich ein Pferd mit kräftig entwickeltem festen Strahl habe, und ich den Tragrand kürze, dann kommt es vor, dass das Pferd allein auf den Strahlen läuft, man kann eine Postkarte unter den Tragrand schieben, weil der den Boden (außer an der Zehe) nicht berührt. Und das Pferd läuft auch auf Schotter wie Glöckchen.
2. Im Gespräch mit Hufschmieden komme ich öfters in Konflikt, wenn es um den Tragrand geht. Ihrer Meinung nach, gehört neben der Hufwand auch der Rand der Sohle mit zum Tragrand, wenn er denn durch Abrieb zeigt, dass er Bodenkontakt hat. Aber schaut man in die Literatur, scheint es sich um eine Wortklauberei zu handeln, aber dort steht ausdrücklich für die Kombination aus Hufwand und Sohlenrand, die den Huf trägt die Vokabel Tragerand. Also noch einmal zum Unterscheid: Hufwandunterseite ist Tragrand, das was tatsächlich alles am individuellen Huf trägt ist der Tragerand.