Der Hufbeinträger

Wie der Huf an der Zehe festgemacht ist

Genau damit soll sich diese Seite beschäftigen, ich hoffe, es gelingt mir, das einigermaßen leichtverständlich zu erklären.

�aufgeschnittene

Betrachten wir zunächst dazu einmal eine Hornkapsel von innen. Das Bein eines toten Pferdes wurde abgetrennt, die Hornkapsel, oder das, was vom Huf von außen sichtbar ist, wurde abgelöst, ausgekocht, getrocknet und aufgeschnitten. Dabei zeigen sich an der Innenseite der Hufwand Lamellen, die von oben nach unten verlaufen, exakt parallel zu dem Verlauf der Hornröhrchen, die man schon auf der Außenseite eines jeden Hufes sehen kann.

�schematische

Dies ist eine schematische Darstellung eines Schnittes durch die Hufwand. Stellen wir uns vor, wir würden mit einer Kreissäge durch die Zehe eines Hufes sägen, und zwar so, dass wir genau rechtwinklig zur Richtung der Hornröhrchen schneiden, dann würde sich dieses Bild ergeben. Im oberen Teil des Bildes sehen wir die Hufwand, wir erkennen, dass wir die Hornröhrchen als kleine Kreise sehen. An der Außenwand klein, eng und dicht, je weiter wir nach innen, oder hier im Bild nach unten gehen, werden sie größer und auch ihr Abstand zueinander wird größer. Zwischen den Hornröhrchen ist Kitthorn, mit welchem sie verklebt sind. Bemerkenswert dabei ist dass die Röhrchen nicht nur größer werden, sondern dass auch der Pigmentanteil, der sie dunkel färbt, wenn es sich um einen dunklen Huf handelt, immer mehr abnimmt, je weiter wir nach innen kommen. Ein Huf ist immer nur außen pigmentiert.
Sind wir am Ende der Hufwand angelangt, so ist sie auch farblos. Es gibt keine Hornröhrchen mehr, sondern nur noch homogenes Horn, und dieses ist farblos. Hier ist die weiße Linie (linea alba). Über die weiße Linie widerspricht sich die Fachliteratur selbst. Sogar in ein und dem selben Buch, �Farbatlas Huf� von C. Pollit wirft er die Begriffe weiße Linie (linea alba) und weiße Zone (zona alba) durcheinander. Die weiße Linie ist der Bereich in der Hufwand, wo es keine Hornröhrchen mehr gibt, und sich die Hornlamellen anschließen.
Gehen wir weiter nach innen. Zu erkennen sind nun Lamellen, die sich an die Hufwand anschließen, hier im Schnitt. Diese Lamellen verzweigen sich wieder in Lamellen, wie die Blätter eines Farnkrautes. Und exakt in diese Lamellen an den Lamellen greifen als Gegenstück Lamellen der Hufwandlederhaut. Dieses Ineinandergreifen der Hornlamellen der Hufwand und der Lederhautlamellen der Hufwandlederhaut stellt die Verbindung von totem Horn und lebender Pferdezehe dar. Die Lederhautlamellen, als Bestandteil der Wandlederhaut sind an ihr fest, die Wandlederhaut selbst sitzt fest auf dem Knochen des Hufbeins. Die Lederhautlamellen der Wandlederhaut sind auch daf�r verantwortlich, dass die Hornwand nach unten geschoben wird, der Huf also wachsen kann. Aber der Mechanismus, wie das genau funktioniert, ist noch nicht in allen Einzelheiten erforscht.
Das ist das Geheimnis. So ist der Huf am Hufbein festgemacht. Der Knochen im Inneren gibt dem Horn, welches ja weich und elastisch ist, Halt und Form, jedenfalls im Bereich der Zehe.

�schematische

Hier ein Foto eines St�ckchen Tragrandes, was ich vom Huf eines Pferdes mit der Zange abgetrennt habe und die Hornwand �hnlich wie in obiger Zeichnung zeigt. Nat�rlich ist dieses St�ck am Ende des Hufes gewesen. Also sehen wir hier keine Lederhaut und kein Hufbein, sondern an ihrer Stelle sind die L�cken der Wandhornlamellen mit dem Sohlenhorn verschlossen, welches die Sohlenrandlederhaut produziert.

�Röntgenpositiv

Dies ist ein Röntgenpositiv einer Pferdezehe von der Seite (lateromediale Aufnahme). Die nachträglich eingezeichnete, gepunktete Linie markiert etwa den Verlauf des Kronsaumes, also der Trennlinie zwischen Horn und Fell.
Deutlich im Bild zu erkennen ist, wie vergleichsweise klein das Hufbein ist. Der Hufbeinträger wird außerdem immer flacher, je weiter wir nach hinten gehen. Auf der Zehe sind auch die längsten Lamellen. So wie der Huf nach hinten immer flacher wird, nimmt auch die Länge der Lamellen immer weiter ab. Auch das Hufbein wird nach hinten keilförmig flacher. Im hinteren Wandbereich und im Trachtenbereich gibt es keinen Knochen mehr, das Hufbein ist dort zu Ende. Zwar finden sich die Hornlamellen auf der kompletten Innenseite der Hufwand, sogar auf der Innenseite der Eckstreben, natürlich greifen in sie auch Lederhautlamellen ein und sorgen für das Wachstum, bzw. für den Horntransport nach unten, die Lederhaut wird aber im hinteren Bereich des Hufes nicht mehr durch einen Knochen gestützt, sondern nur durch wesentlich weichere Gewebestrukturen. Das ist auch gut so, denn der Huf muss sich elastisch weiten und zusammen ziehen, bei jedem Schritt. Dies wäre nicht möglich, wenn er von innen komplett durch einen Knochen ausgefüllt wäre; es gäbe dann keinen Hufmechanismus.

�Zeichnung

Die blau markierte Fläche zeigt etwa den Bereich, in dem der Huf von innen durch den Knochen gestützt wird, bzw. den Bereich an dem der Knochen am Horn befestigt ist. Der Rest der Hornkapsel ist darauf angewiesen, sich selbst zu tragen. Das ist unter anderem auch ein Grund dafür, dass sich gerade der Trachtenbereich so schnell verformt und beispielsweise unterschiebt oder unter Zwang gerät, wenn er überlastet wird. Das Gewicht muss hauptsächlich von der Zehe getragen werden, nur dort ist der Huf so konstruiert, dass er große Last aufnehmen kann.