Huforthopädie

Überblick

Huforthopädie ist eine von Jochen Biernat entwickelte Methode, erkrankte Hufe zu heilen. Dabei sind als Erkrankung nicht nur die klassischen Hufkrankheiten, wie Rehe, Huf- oder Strahlkrebs, Verletzungen, Geschwüre, Abszesse und andere gemeint, sondern insbesondere die in unterschiedlichsten Variationen auftretenden Hornwanddeformationen und Fehlstellungen. Je nach dem, wie lange eine Verformung schon besteht, hat sich ihr der Knochen teilweise angepasst. Dann kann der Huf nur noch für seine Zehe optimiert werden. Mehr als die Hälfte aller dauerhafter Erkrankungen der Pferde sind unterschiedliche Lahmheiten, deren häufigste Ursache in den Hufen zu finden ist.
Huforthopädie funktioniert nur ohne Beschlag. Sie spricht sich jedoch nicht grundsätzlich gegen einen Beschlag aus. Sofern er dem Schutz vor zu starkem Abrieb durch die Nutzung des Pferdes dient, etwa bei Zugtieren, oder bei Wander- oder Distanzreitpferden, spricht nichts dagegen einen regelmäßig geformten Huf zu beschlagen. Werden bei einem Pferd bedenkliche Verformungen der Hornkapsel festgestellt, wird es je nach deren Art und Schwere als "krank" eingestuft, was bedeutet, dass die Rehabilitation der Hufe im Vordergrund steht, und die Nutzung des Tieres unter Umständen vorübergehend eingeschränkt wird.

Arbeitsweise

Huforthopädie nimmt keine Korrekturen im traditionellen Sinne vor. Einseitiges Kürzen der Hufwand wird unterlassen. Einseitiges Kürzen der Hufe ist immer und unweigerlich mit einer schlagartigen Umbelastung der Gelenke verbunden, wodurch sich das Risiko von Gelenkserkrankungen und vorzeitigen Verschleißerscheinungen erhöht.
Durch die Bearbeitung wird der Huf vielmehr so beeinflusst, dass er sich selbst in eine für ihn günstigere Form hineinläuft. Dafür sind kurze Bearbeitungsintervalle erforderlich, denn die Arbeit am Huf wirkt nur vergleichsweise kurze Zeit in die Zukunft hinein. Vier Wochen haben sich im allgemeinen als optimal erwiesen. Auch wenn das sehr kurz klingen mag und der Huf in vier Wochen nicht sehr viel wächst, geht es ja auch nicht darum viel Horn weg zu scheiden oder zu raspeln, sondern den Huf für die nächsten Wochen erneut in die richtige Richtung zu schubsen.

Nur so ein Gedankengang

Meiner Meinung nach wird am Pferd mit zweierlei Maß gemessen. Ist es organisch chronisch krank, an den Atemwegen, im Verdauungstrakt inkl. Leber und Nieren, hat es ein Herz- oder Kreislaufleiden oder eine hormonelle Störung (ECS, EMS) werden Haltung, Nutzung und Fütterung darauf abgestimmt. Der Besitzer lernt durch die Krankheit des Pferdes in der Regel sehr viel über die Krankheit und ist bemüht ergänzend zu der fachkundigen Betreuung durch den Tierarzt dem Pferd durch angepasste Lebensumstände Linderung zu verschaffen.
Bei den Hufen ist das anders. Vielen Pferdebesitzern fallen Anomalien auf. Etwas sieht komisch aus, im Vergleich zum regelmäßigen Huf. Da hat der Huf hinten Beulen, der Huf wird nach unten breiter, die Wände sind verbogen oder er sieht irgendwie schief aus, bekommt Ausbrüche und Risse - aber egal, das Pferd läuft ja noch.
Gehandelt wird meist erst dann, wenn sich die Unregelmäßigkeiten zu ernsten Problemen auswachsen und dem Pferd Schwierigkeiten beim Laufen bereiten. Und dennoch wird in einigen Fällen erwartet, dass das Pferd z.B. durch einen geeigneten Beschlag 100% einsatzfähig ist, statt ungünstige Hufzustände als Erkrankung zu erkennen und zu behandeln, damit sie nicht noch schlimmer werden, sondern sich verbessern.
Einzige Ausnahme bildet die Hufrehe, die als chronische Erkrankung anerkannt wird, unbedingte Schonung erfordert und bei der Haltung und Fütterung z.B. durch reduzierten Weidegang angepasst werden.
Es wird ignoriert, dass Hufrollensyndrom, Hufknorpelverknöcherung, Schale und Arthrose zu großen Anteilen Folgeerkrankungen ungünstiger Hufzustände, bzw. deformierter Hufe sind. Und somit werden leider viele Pferde viel zu früh in Rente geschickt, weil es versäumt worden ist, rechtzeitig auf die Gesunderhaltung der Hufe zu achten und degenerativen Erkrankungen vorzubeugen bzw. sie aufzuhalten und ihnen entgegen zu wirken. Organisch topp fitt genießen sie einen langen Lebensabend, denn laufen können sie nur noch eingeschränkt.