Jay - Hufrehe ohne Eisen therapiert

Jay im Sommer 2009

Das ist Jay. Er ist ein Quarterhorse-Wallach im Alter von etwa 25Jahren zum Zeitpunkt der Aufnahme. Er stammt aus den USA, wurde dort nach seiner Turnierkarriere im Alter von 7 Jahren nach Deutschland importiert. Schon damals wurde eine Hufrollensyndrom diagnostiziert, jedoch scheint ihm das keinerlei Probleme zu bereiten, war aber der Anlass dafür, dass er seit 15Jahren vorne mit Steg- bzw. Eiereisen beschlagen wurde. Die Hufe verformten sich immer schlimmer, was die Besitzerin bewog, den Beschlag im Februar 2008 abnehmen zu lassen, und es barhuf zu versuchen. Eine Weile ging das gut, aber im April zeigte Jay deutliche Schmerzen beim Laufen, aber weil diese wie weggeblasen waren, als er forsch und fleißig zum Anweiden ging, wurde dem keine besondere Bedeutung beigemessen, unterstützt durch die Tierärztin jetzt seien wir schon so weit gekommen, sie denke die Fühligkeit sei zumutbar, solange die nicht schlimmer wird, sollen wir weitermachen. Nun, die Fühligkeit schwand wieder, jedoch zeigte sich eine Veränderung der Hornkapseln der Vorderhufe.

Linker Vorderhuf mit Ofenrohrsyndrom, also eine deutliche Hornkapselrotation oder Hufbeinrotation

Das war das Bild des Hufes im Juni 2008. Mir kam das komisch vor, von einer Hufrehe war nichts bekannt, jedoch zeigt dieser Huf alle Anzeichen eines Rehehufes, als da sind die hohen Trachten, die Durchbiegung der Zehenwand, die an die Form einer Schiesprungschanze erinnert, die starken Ringe, die auf der Zehe besonders deutlich zu Tage treten. Nun, das war die derzeitige Situation. Ich habe diesen Huf also so bearbeitet, wie einen Rehehuf, und Monate war kein Fortkommen zu erkennen. Nun muss ich hinzu sagen, dass die Hufe von Jay unglaublich langsam wachsen, der Grund dafür ist wohl in seinem Cushing-Syndrom zu suchen, was erfolgreich behandelt wird.

Röntgenbild bestätigt die Hufbeinrotation bzw. Hornkapselrotation

Also wurden im Dezember 2008 Röntgenbilder erstellt. Ich bitte die Qualität zu entschuldigen, es handelt sich zwar um qualitativ gute analoge Folienbilder, jedoch sind sie sehr dunkel, und das kommt halt dabei heraus, wenn man Röntgenbilder vom weiß hinterleuchteten Bildbetrachter mit einer Aldi-Digitalkamera (ich hab keine teure Kamera, es genügt, wenn mir ein Pferd 100EUR aus der Hand tritt, es müssen keine 1000EUR sein, außerdem haben Kameras bei dieser Arbeit mit Sand, Staub und feuchter Witterung keine besonders lange Lebensdauer, und für meine Zwecke, denke ich genügen die einfachen Kameras völlig, kein Mensch möchte hochaufgelöste, in brilliantesten Farben abgebildete Hufe in Prospekten oder auf Plakaten haben) abfotografiert.
Was deutlich zu erkennen ist, ist der Winkel zwischen dem Hufbein und der Hornkapsel, bzw. der Zehenwand. Auch wenn es dunkel ist, zwischen den von mir eingebauten gelben Punkten, ist eine graue Linie zu erkennen, die zeigt den Verlauf der Zehenwand, es wurde nämlich eine Kanüle mit Klebeband auf die Zehe geklebt, und die hat diese graue Linie auf der Aufnahme hinterlassen. Ich will gar nicht diskutieren ob das Hufbein abrotiert, oder die Hornkapsel aufrotiert ist, es ist jedenfalls deutlich zu erkennen, dass Zehenwand und Hufbein nicht mehr parallel sind. OK, ob mit oder ohne bemerkten Reheschub, hier handelt es sich um die Sympthomatik eines Rehehufes, und dementsprechend muss gehandelt werden, was ich schon vorher getan habe, jedoch hier ist die Bestätigung dessen, und man hat ein Röntgenbild von jetzt, und kann es mit einer Kontrollaufnahme in einem Jahr vergleichen.

Rehehuf im April 2009

April 2009: Es sei ja immer wieder erstaunlich, wie es Huforthopäden hinbekämen, die auffälligen Ringe am Huf verschwinden zu lassen, jedoch die Rotation beizubehalten. Diesen Kommentar habe ich mir eingehandelt, als ich den Verlauf der Erkrankung einem Kreis von Schmieden, Hufpflegern und -Technikern vorgezeigt habe. Ich denke es ist mehr zu erkennen, als das nur die Ringe auf der Hornwand verschwunden sind. Die Trachten sind herunter gekommen, die Zehenwand biegt sich nicht mehr so sehr durch, der Kronsaum verläuft gleichmäßiger und fällt zu den Trachten hin nicht mehr so weit ab. Ich denke allen Unkenrufen zum Trotz, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und man darf nicht vergessen, dass das Horn wirklich sehr langsam wächst. Die Hornrille die auf diesem Bild so deutlich singulär auf etwa dem unteren Drittel der Zehenwand zu sehen ist, zeigt sich auf dem vorigen Bild gerade beim Verlassen des Kronsaumes, einem zeitlichen Abstand von 10Monaten. Dieser Huf braucht weit länger als 12Monate um einmal durchzuwachsen.

Rehehuf nach 18Monaten

Hier sind wir im Dezember 2009 angelangt. Nun, ich denke, dieses Bild brauche ich nicht mehr zu kommentieren, was den Verlauf der Hornwand, des Kronsaumes und der Höhe der Trachten angeht, die Bilder sprechen, denke ich, für sich selbst. Zeit für ein Kontrollröntgen, die letzten Aufnahmen sind etwa ein Jahr alt.

Kontrollröntgen der Hufbeinrotation im Dezember 2009

Dezember 2009. Die Kontrollaufnahme nach etwa einem Jahr, wieder mit einer billigen Kamera vom Folienbild abfotografiert, und wieder mit einem aufgeklebten Metallstreifen zur Verdeutlichung der Zehenwand aufgenommen. Es ist hier gelungen, die Hufwand und das Hufbein wieder parallel zu bekommen. Die Rotation von was auch immer besteht nicht mehr. Auf meine Nachfrage bei der Tierärztin, ob sie mir zustimmen würde, ob wir auf dem richtigen Weg seien, sagte sie mir, dass wir wohl schon angekommen wären, sie hätte niemals gedacht, dass sich ein derzeitiger Zustand erreichen ließe, wenn man Jays vorerkrankungen insbesondere Cushing-Syndrom berücksichtige. Nun, ich denke, da geht noch was, aber das wird langsam geschehen. Hauptziel ist erreicht, aber beim Optimum sind wir noch nicht.

Das nur so in Kürze. Wenn ich Zeit finde, werde ich in wenigen Tagen, vielleicht über die Weihnachtsfeiertage auch noch den rechten Vorderhuf vorstellen, der ist etwas schwieriger, weil er stärker geschädigt ist, und von Jay noch ungünstiger benutzt wird. Aber so geht Rehe-Rehabilitation barhuf.