Natürliche Hufform

Es tut mir leid, die gibt es nicht. Zum einen gibt es rassebedingt unterschiedliche Hufformen, Friesen neigen zu weiten Hufen, Quarter horses haben gezielt gezüchtet zu kleine Hufe um nur zwei Beispiele zu nennen. Zum anderen darf nicht vergessen werden, dass der Huf unglaublich flexibel und anpassungsfähig ist. Pferde der gleichen Rasse, auf unterschiedlichen Untergründen gehalten, etwa das klassische Boxenpferd mit Stundenpaddok im Vergleich zur Weidenhaltung mit Matsch im Winter entwickeln unterschiedliche Hufe. Das Boxenpferd wird die schlankeren und härteren Hufe haben. Harter Boden fördert hartes Horn. Das Weidepferd wird flache Hufe bekommen, und das ist gut so. Da die Hauptlast auf der Zehe liegt, sinkt diese auf weichem Boden ein.
Von daher ist es nicht wirklich sinnvoll, sich die Hufe verwildeter Pferde zu betrachten, um ein Bild vom idealen Huf zu erhalten. Es ist völlig einsichtig, dass die Mustangs eine Mustang roll entwickeln, schlie�lich laufen sie ausschlie�lich über Sand, harten Lehmboden und Stein. Natürlich wird dabei die Zehe abgeschmirgelt und rund geschliffen. Aber es stellt sich doch die Frage, ob das optimal ist, oder einfach ein Resultat der Lebensbedingungen. Die Dülmener leben auf weicherem Boden, die Last tragende Zehe sinkt ein, deshalb haben sie auch flachere Hufe. Auf hartem Boden kommen sie nur bedingt zurecht. Beide Pferdearten haben für ihre Lebensbedingungen angepasste bzw. typische Hufe, aber keine von beiden Hufformen ist für jedes andere Pferd geeignet, noch als die optimale Form für unsere Lieblinge anzusehen.
Wollte man wissen, wie der optimale Huf für unsere in Gefangenschaft lebenden Pferdlinge aussieht, dann müsste man ein Experiment starten. Man müsste einen Lebensraum schaffen, der unseren Haltungsbedingungen ähnelt, wo die Tiere die für unsere Haltungsbedingungen typischen Untergründe findet, also viel Asphalt, Schotter, Sand mit Textilschnipseln, Matsch und auch Weiden� dort müsste man eine Herde verwildern lassen aber dennoch irgendwie, vielleicht in Form eines gigantischen Aktiv-Stalls dafür sorgen, dass die Pferde die unterschiedlichen Böden auch in der gleichen Intensität belaufen, wie wir es unseren Pferden zumuten. Dann braucht man nur noch einige huntert Jahre abzuwarten. Ach ja, es darf nicht vergessen werden, in regelmäßigen Abständen ein paar Wölfe durch die Herde zu scheuchen, damit genetisch bedingte ungünstige Einflüsse ausgesondert werden. Mit etwas Glück hätte man dann so etwas ähnliches, wie den an unsere Haltungsbedingungen angepassten Huf.