Sehnen und Gelenke der Pferdezehe

Die Knochensäule des Pferdebeines baut sich von unten nach oben folgendermaßen auf: Im Huf sitzt das Hufbein. Darüber das Kronbein. Hufbein und Kronbein bilden das Hufgelenk. An der Unterseite des Hufgelenkes wird das Strahlbein durch Bänder in seiner Position gehalten. Das Strahlbein mit dem Hufrollenschleimbeutel bildet als Umlenkfläche für die tiefe Beugesehne mit ihr zusammen den Hufrollenkomplex.
Weiter nach oben schließt sich über das Krongelenk das Fesselbein an, und darüber im Fesselgelenk schließlich das Röhrbein. An der Rückseite des Fesselgelenks sitzen die beiden Gleichbeine, zwischen denen die beiden Beugesehnen geführt werden.

Schematische Darstellung der Sehnen und Gelenke der Zehe

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In der Vorderansicht (dorsalen Ansicht) ist die gemeinsame Strecksehne (rot) zu erkennen, die am Streckfortsatz (prozessus extensorius) des Hufbeines ansetzt, dann ebenfalls am Streckfortsatz des Kronbeines, einerseits dann weiter an der Vorderseite des Fesselbeines und des Röhrbeins verläuft, und sich, und das ist das bemerkenswerte, andererseits oberhalb des Ansatzes am Kronbein verzweigt. Die beiden etwas dünneren Stränge umschließen seitlich das Fesselbein und führen zu den Gleichbeinen.
In der seitlichen Ansicht (lateral oder medial) erkennt man den Verlauf der Strecksehne deutlicher. Die abzweigenden Sehnen führen zu den Gleichbeinen, umschließen sie, stützen damit den Fesselkopf, führen dann weiter nach oben und gehen oberhalb von Karpal- bzw. Sprunggelenk in den Fesselträger genannten Muskel über. Der Sehnenteil, der die Gleichbeine umschließt heißt Ringband.
Die Beugesehnen laufen von oben nach unten ineinander zwischen den Gleichbeinen hindurch. Dabei ist die oberflächliche Beugesehne hohl ausgebildet und führt die tiefe Beugesehne in ihrem Inneren. Erst in Höhe des Fesselbeines teilt sich die oberflächliche Beugesehne (grün) in zwei Stränge auf, gibt die tiefe Beugesehne frei und endet am Kronbein.
Die tiefe Beugesehne (blau) läuft weiter nach unten, wird über die glatte Unterseite des Strahlbeines umgelenkt, teilt sich auch in zwei Stränge und endet an den Ansatzpunkten auf der Unterseite des Hufbeines.

Funktion der Gelenke

Uns Menschen ist es möglich, unsere Füße auch seitlich zu kippen. Stellen wir uns barfuss hin, die Füße schulterbreit auseinander, dann ist es uns möglich, uns nur auf die Außenkanten der Füße zu stellen, also nur auf der Linie von kleiner Zehe bis zur Außenseite der Verse, dabei ist die Innenseite der Fußsohle in der Luft. Ebenso können wir uns nur auf die Innenseite der Füße stellen, also auf die Linie von Großer Zehe bzw. Fußballen zur Innenseite der Verse. Stellen wir uns auf ein Bein, dann ist im Unterschenkel und Fuß deutlich zu fühlen, wie unser Gleichgewichtssinn automatisch die Muskulatur steuert, die uns nicht umfallen lässt, indem sie schnell den Fuß seitlich umbelastet. Dies kann ein Pferd leider, leider nicht. Wir Menschen können unseren Fuß im Fußgelenk aktiv ein wenig drehen. Auch das kann ein Pferd leider nicht.
Es gibt in der Pferdezehe definitiv keine Muskeln. Fessel-, Huf- und Krongelenk sind nur durch Beuge- und Strecksehnen aktiv zu bewegen. Passive seitliche Kipp- oder Drehbewegungen sind zwar im geringen Maße möglich, gehen aber unweigerlich sofort mit einer ungleichmäßigen Belastung der Gelenke einher, denn ein Pferd ist nicht in der Lage, durch Muskeln und Sehnen eine einseitige Belastung im Gelenk auszugleichen. Und das ist auch der Grund, warum ein einseitiges Kürzen der Hufe von unten, also nur medial oder nur lateral, sofort eine Umbelastung der Gelenke und damit einen erhöhten Verschleiß zur Folge hat.
Die einzige Möglichkeit für ein Pferd, seinen Huf aktiv anders zu belasten, besteht darin, ihn beim Auffußen weiter zur Körpermitte hin oder von der Körpermitte weg zu setzen. Damit schont es zwar die Gelenke in der Zehe, aber belastet die weiter proximal (näher am Rumpf) gelegenen Gelenke der Gliedmaße anders.

Folgen für den Bewegungsapparat

Einseitiges Kürzen des Hufes wirkt sich auf die gesamte Gliedmaße aus. Die Folgen gehen hinauf bis in Hüfte und Schulter und schließlich in den komplexen Muskulaturbereich um die Wirbelsäule herum. Andersherum wird ein Pferd mit Schwierigkeiten in Rücken oder Hüfte eben diese Gelenke anders benutzen und das wirkt sich auf Dauer auf die Form des Hufes aus.