Bearbeitungsbeispiele

Meine bis jetzt noch nicht ganz so umfangreiche Vorher- Nachhergalerie. Und mit vorher-nachher ist nicht gemeint, vor der Bearbeitung und nach der Bearbeitung. Es ist klar, dass ein Huf immer direkt nach der Bearbeitung ordentlicher, gleichmäßiger, aufgeräumter und irgendwie schöner oder gefälliger wirkt. Nein, es ist viel mehr gemeint, dass das Vorher-Bild zu Beginn der huforthopädischen Betreuung des Hufes aufgenommen wurde, und das Nachher-Bild zu einem geeigneten Zeitpunkt einige Monate später den mittel- oder langfristigen Erfolg der Behandlung dokumentiert.
Ein jeder Hufbearbeiter, auch der traditionelle Schmied ist in gewissem Umfang zur Dokumentation seiner Arbeit verpflichtet, nur wenige kommen dem nach. Deshalb als deutlicher Apell an alle Pferdebesitzer, besonders an diejenigen, denen etwas an den Hufen ihres Pferdes komisch vorkommt: Sprecht den Hufbearbeiter darauf an, hört darauf, was er dazu zu sagen hat, verlangt Antworten auf eure Fragen, akzeptiert kein "Das ist bei dem halt so.." und macht Fotos. Macht jetzt Fotos und in einem halben Jahr, das erspart Diskussionen wie "Ich mein aber vor drei Monaten war das noch nicht so schlimm... ", "Doch bestimmt... das hat sich schon sehr verbessert... "
Der Platz genügt nicht um umfassend auf jeden Huf einzugehen und alle ganzheitlichen Maßnahmen zu erläutern, kaum ein Huf hat ausschließlich ein einziges Problem. Zu jedem Huf könnte ich mehrere Seiten schreiben. Dennoch sticht bei vielen Hufen eine Besonderheit heraus, und auf diese weise ich jeweils hin.
Die Qualität der Fotos bitte ich zu entschuldigen, zum einen bin ich kein Fotograf, zum anderen arbeite ich mit einer sehr einfachen Kamera, da sie beim Einsatz am Pferd durch die hohe Schmutz- und Staubbelastung und ein erhöhtes Sturzrisiko keine besonders lange Lebensdauer hat.


Einseitige Wanddeformation

Einseitige Wanddeformation vorher

Dies ist der rechte Hinterhuf eines 25 jährigen Ponys in Offenstallhaltung, aufgenommen im Februar 2007, deshalb mit Winterfell. Die äußere Hufhälfte zeigt auffällige Veränderungen. Die äußere Seitenwand ist verbogen und im unteren Bereich deutlich zu flach. Am Tragrand ist sie völlig weggebrochen. Durch die Verbiegung dieser Hufwand sind auf der äußeren Hufhälfte deutlich sichtbare Wülste entstanden, die sich auf der viel gleichmäßiger gestalteten inneren Hufhälfte nicht zeigen.

Einseitige Wanddeformation nachher

Der selbe Huf 3 Monate später, aufgenommen im Mai 2007 nach der Bearbeitung. Bei diesem äußerst dankbaren Huf ist es vergleichsweise rasch gelungen, die breite Hufhälfte wieder schlank zu bekommen. Natürlich ist er noch nicht perfekt, völlig symmetrisch wird er wohl auch nicht werden, und er wird immer die Tendenz zeigen, wieder aus der Form zu laufen, aber wir, die Besitzerin und ich, arbeiten dran.


Schiefer Hinterhuf

schiefer Hinterhuf vorher

Der rechte Hinterhuf eines Warmblutwallachs mit beidseitig verformten Hufwänden im September 2006. Die äußere Hufwand ist übersteil, sie ist zwar gerade und gestreckt, wächst jedoch nach innen. Der Grund dafür ist, dass dieses Pferd diesen Huf sehr weit unter die Körpermitte unter den Schwerpunkt zu setzen versucht. Der Bewegungsablauf passt zu dieser Hufform. Die Frage war nun, ist die Hufform Ursache oder Symptom.

schiefer Hinterhuf nachher

Acht Monate später, im Mai 2007, ist es gelungen diese Situation weitgehend zu entspannen. Noch immer ist der Huf schief, noch immer besteht Trachtenzwang, aber er ist auf dem Weg der Besserung.


Kronrandspalte

Kronrandspalte vorher

Durch stark untergeschobene Trachten und eine viel zu flache Stellung ist diese gezackt verlaufende Kronrandspalte im Trachtenbereich entstanden.

Kronrandspalte vorher

Nach acht Wochen ist zu sehen, dass sofort nach Abnahme des Beschlages und Beginn der huforthopädischen Behandlung der Huf wieder geschlossen herunter wächst. Auch ist der Huf steiler geworden, zudem wächst er vom Kronrand her steiler herunter, die Zehenwand ist vorübergehend durchgebogen noch hat dieser Huf hinter der Zehe eine verbreiterte Blättchenschicht. Zu dem Zeitpunkt an dem der Hornspalt herausgewachsen ist, wird die Zehe wieder gerade, und der Huf deutlich steiler sein.


04.05.07:

untergeschobene Trachten

untergeschobene Trachten vorher

Der linke Hinterhuf eines 10jährigen deutschen Reitponys. Die Ballen haben Bodenkontakt. Die Hornröhrchen haben jedwede Parallelität aufgegeben und werden von vorne nach hinten zunehmend flacher.

untergeschobene Trachten nachher

Nach fünf Monaten sind die Trachten dabei sich aufzurichten. Der Ballen hat wieder einen halben Finger breit Luft zum Boden.


21.12.08:

Tragrandhornspalt auf der Zehe

Zehenhornspalt vorher

Dies ist Willow. Willow hat einen Tragrandhornspalt auf der Zehe. Dass das Hineinfeilen von Querrillen nichts bringt, ist unter Hufbearbeitern weitgehend bekannt, dennoch findet man häufig diese Querrillen. Ein befreundeter Schmied hat mir erzählt, dass er die dennoch in einigen Fällen anbringt, nicht weil er glaubt, dass die etwas bewirken, sondern weil der Kunde dann sieht, er habe an dem Spalt etwas gemacht. Also, nicht jeder, der eine Querrille anbringt, glaubt, dass sie hilft, sondern er macht es u.U. nur, um den Kunden zu beruhigen. Nun gut, einen Zweck erfüllen die Querrillen auf jeden Fall, sie geben eine Orientierung darüber, ob der Spalt weiter einreißt, oder gestoppt wurde.

Zehenhornspalt im Bearbeitungsverlauf

Ein halbes Jahr später zeigt sich, dass mit der Arbeit an allen Problemen, die dieser Huf hat, auch der Hornspalt, als ein Symptom dieser Fehlbelastungen und Verformungen, zunehmend herauswächst und verschwindet. Mehr über Hornspalten auf dortiger Unterseite.


04.04.09:

Verbogene Hufwände am Hinterhuf eines 23-jährigen Quarterhorse

Verbogene Hufwand vorher

Hier ist Jay, bzw. hier ist Jays linker Hinterhuf. Jay ist über 20 Jahre alt, wurde aus den Staaten importiert, nachdem er dort eine Turnier-Karriere durchlaufen hat. Mittlerweile ist er Cushing-Patient, aber die Behandlung schlägt gut an. Aber man betrachte sich diesen Huf. Der andere sah ähnlich aus, hat sich aber selbst geholfen, dieser nicht.
Schauen Sie bitte genau hin. Die innere Hufwand ist konvex, die äußere konkav verformt. Der Kronsaum fällt nach außen hin stark ab, was auf eine sehr einseitige Belastung der Gelenke hindeutet. Wenn es nicht weh tut, muss es doch wenigstens sehr unangenehm für das Pferd sein. Das war der Grund, warum ich an Jays Hinterhufe durfte, die Vorderhufe sind ein anderes Beispiel, was noch folgen wird.

Verbogene Hufwand im Bearbeitungsverlauf

Hier nun dieser Huf fast zwei Jahre später. Einiges dauert eben, aber es geht. Glauben sie niemals ein "Das ist bei dem halt so..." oder ein "da kann mann nichts machen...". Man kann immer etwas machen, wie schnell das geht, und wie effektiv das ist, ist eine ganz andere Frage. Auf alle Fälle kann man eine ungünstige Entwicklung aufhalten und umkehren.
Nein, dieser Huf ist noch immer nicht schön, er ist noch immer nicht symmetrisch. Aber es ist gelungen, die äußere Hufwand wieder zum Tragen zu bringen und die innere Wand zu entlasten. Die Gelenke sind wieder etwa in der Waage. Ich denke, man sieht deutlich, dass der Huf auf dem richtigen Weg ist.


Verbogene Hufwände eines sog. Polnischen Wildpferdes

Verbogene Hufwand vorher

Das ist Feivel, bzw. sein linker Vorderhuf. Der ist eine echte Granate, was die Hufe angeht. Die wachsen so stark, dass man ihn auch unbeschlagen fahren könnte. Und die sind so hart und fest, dass ich mir fast wünschte, ich könnte mit einem Elektrohobel an die Hufe gehen, die Bearbeitung ist abartig, auch deshalb, weil der kleine Kerl vom Charakter eher ein Esel hätte werden sollen. Nun gut, was ist zu sehen? Ein Huf, groß wie von einem Warmblüter an der Zehe eines Ponys. Ferner ist zu erkennen, dass der Huf sich nach unten hin aufweitet, wie ein Grammophon-Trichter, medial stärker als lateral. Damit einhergehend eine Dehnung der Blättchenschicht in den entsprechenden Bereichen, die es zu beseitigen gilt.

Verbogene Hufwand im Bearbeitungsverlauf

Hier nun der selbe Huf nach einigen Monaten. Die Hufwände sind begradigt, nichts biegt sich mehr nach außen. Aber, oops, ich muss aufpassen. Die innere Hufwand trägt nun, und sie trägt so sehr, bzw. sie ist so stabil geworden, dass sie höher geworden ist als die äußere, und nun beginnt, den Huf auf die äußere Seite kippen zu lassen. Gesehen und erkannt, wird nun dem entgegengewirkt. Fortsetzung folgt.


Bis jetzt noch nichts wirklich spektakuläres, die Galerie wird aber fortgesetzt sobald es neue lohnende Fotos gibt.